{"id":40,"date":"2014-01-16T12:06:53","date_gmt":"2014-01-16T11:06:53","guid":{"rendered":"http:\/\/vox-populi.info\/?p=40"},"modified":"2014-01-16T12:17:10","modified_gmt":"2014-01-16T11:17:10","slug":"risse-im-fundament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vox-populi.info\/?p=40","title":{"rendered":"Risse im Fundament"},"content":{"rendered":"<p>Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist im vergangenen Jahr mit einem Plus von 0,4 % eher &#8222;m\u00e4\u00dfig&#8220; ausgefallen. \u00d6konomen zeigen sich aber vorbehaltlos zuversichtlich, dass es im laufenden Jahr wieder besser wird. Einige Wachstumsprognosen reichen sogar bis \u00fcber die Zwei-Prozent-Marke hinaus.\u00a0Schlie\u00dflich wird sich die konjunkturelle Lage in der Eurozone von Monat zu Monat aufhellen, kommen die Krisenl\u00e4nder langsam wieder in Tritt und hat sich die Weltwirtschaft ebenfalls gefangen. Letzteres unterstreicht die neue Prognose der Weltbank, die nach einem globalen Wachstum von 2,4 % im vergangenen Jahr jetzt ein Plus von immerhin 3,2 % erwartet &#8211; mit sogar noch zus\u00e4tzlichem R\u00fcckenwind f\u00fcr 2015. Auch die fallenden Arbeitslosenzahlen, die weiter zunehmende Erwerbst\u00e4tigkeit, stark steigende L\u00f6hne und &#8211; nicht zu vergessen &#8211; die Zuwanderung d\u00fcrften das deutsche Wachstum f\u00f6rdern. Obendrein wird der staatliche Konsolidierungsdruck nachlassen, weil zum einen die neue Koalition grunds\u00e4tzlich mehr Ausgabenakzente setzt als die alte und zum anderen die Schuldenbremse angesichts der bisher erreichten Erfolge nicht mehr so stark zupackt.<\/p>\n<p>Die Aneinanderreihung von positiven Einflussfaktoren auf die deutsche Konjunktur ist also durchaus beeindruckend und l\u00e4sst nur einen Schluss zu: 2014 wird konjunkturell ein super Wachstumsjahr, es wird weiter aufw\u00e4rtsgehen, viel st\u00e4rker als im Jahr davor. Und, wenn das so anh\u00e4lt, steht auch f\u00fcr 2015 eine goldger\u00e4nderte volkswirtschaftliche Bilanz ins Haus.<\/p>\n<p>Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass das Fundament der deutschen Wachstumserfolge Risse hat. Grund daf\u00fcr sind die \u00fcber Jahrzehnte unterlassenen Investitionen von Staat und Privatwirtschaft. Um 0,8 % sind die Bruttoanlageninvestitionen 2013 geschrumpft. 2012 waren es sogar 2,1 %. Eine gewaltige Investitionsl\u00fccke tut sich auf, die das Wachstumspotenzial empfindlich einschr\u00e4nkt. Inzwischen schl\u00e4gt die Investitionszur\u00fcckhaltung schon auf die Produktivit\u00e4tsentwicklung durch, wie die j\u00fcngsten Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zeigen. Viele Unternehmen haben im Ausland Produktionen hochgezogen und sich zu wenig um die Modernisierung am Heimatstandort gek\u00fcmmert. Und der Staat l\u00e4sst die Infrastruktur verkommen. L\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig ist deshalb eine neue Standortpolitik sowie eine gezieltere Investitionsf\u00f6rderung. Sonst muss an dieser Stelle schon bald wieder das traurige Lied \u00fcber Deutschland als dem &#8222;kranken Mann&#8220; Europas angestimmt werden.<\/p>\n<p>(B\u00f6rsen-Zeitung, 16.1.2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist im vergangenen Jahr mit einem Plus von 0,4 % eher &#8222;m\u00e4\u00dfig&#8220; ausgefallen. \u00d6konomen zeigen sich aber vorbehaltlos zuversichtlich, dass es im laufenden Jahr wieder besser wird. 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