{"id":38,"date":"2014-01-15T13:21:45","date_gmt":"2014-01-15T12:21:45","guid":{"rendered":"http:\/\/vox-populi.info\/?p=38"},"modified":"2014-01-16T12:12:35","modified_gmt":"2014-01-16T11:12:35","slug":"bonitaetswaechter-im-zwielicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vox-populi.info\/?p=38","title":{"rendered":"Bonit\u00e4tsw\u00e4chter im Zwielicht"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"line-height: 1.5em;\">Die Ratingagenturen stehen unter gro\u00dfem Regulierungsdruck. Br\u00fcssel hat bereits neue Regeln verordnet. Ende 2013 warf die Europ\u00e4ische Wertpapieraufsicht Esma den Agenturen zudem schwere M\u00e4ngel bei der Arbeitsweise vor. Und zum Jahresanfang r\u00fcckt nun der \u00fcberraschende Abgang von S&amp;P-Deutschlandchef Torsten Hinrichs die Branche erneut in den Fokus.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Von Stephan Lorz, Frankfurt<\/p>\n<p>B\u00f6rsen-Zeitung, 15.1.2014<\/p>\n<p>Ob es nun tats\u00e4chlich die deutlich angehobenen Ratinggeb\u00fchren waren, die den Deutschlandchef von S &amp; P, Torsten Hinrichs, im Konzernmanagement in Ungnade haben fallen lassen, weil Unternehmen wie die Deutsche Post daraufhin die Zusammenarbeit aufgek\u00fcndigt hatten, bleibt im Dunkeln. Die kolportierte Formulierung &#8222;im gegenseitigen Einvernehmen&#8220; verdeckt mehr als sie auszusagen vorgibt. Dass es bei Hinrichs Weggang nicht ohne Verwerfungen abgegangen sein d\u00fcrfte, zeigt aber seine Reaktion. Er wolle zun\u00e4chst einmal bis nach Ostern in S\u00fcdafrika Abstand gewinnen, lie\u00df er die B\u00f6rsen-Zeitung wissen. Was danach komme, sei noch unklar. Gespr\u00e4che mit potenziellen neuen Arbeitgebern w\u00fcrden jetzt erst begonnen. Hinrichs: &#8222;Mal sehen, was kommt.&#8220;<\/p>\n<p>Tatsache ist, dass sich die ganze Ratingbranche derzeit unter enormem Druck befindet und nach neuen Wegen sucht &#8211; auch personell. Nicht nur wegen der Regulierung, der heftigen \u00f6ffentlichen Kritik, ihrer Geb\u00fchrenpolitik und der immer schwierigeren Kundenakquise, sondern auch im Hinblick auf ihr Selbstverst\u00e4ndnis und ihre Funktion in der Finanzwirtschaft, was eine Neuausrichtung unausweichlich macht. M\u00f6glich erscheint deshalb eher, dass Hinrichs schlicht nicht mehr in die Unternehmensstrategie gepasst hat.<\/p>\n<p>Erst vor einem Monat hatte die Europ\u00e4ische Wertpapieraufsichtsbeh\u00f6rde Esma den gro\u00dfen drei Ratingagenturen &#8222;schwere M\u00e4ngel&#8220; bei der Arbeitsweise vorgeworfen und ihnen mit Strafe gedroht. &#8222;Sie sollten ihr Verfahren beschleunigen und sicherstellen, dass sie ihr Haus in Ordnung bringen&#8220;, mahnte Esma-Chef Steven Maijoor. Konkret wirft er Moody&#8217;s, S &amp; P und Fitch vor, Ratingumstufungen nur schleppend zu ver\u00f6ffentlichen. Schlechte interne Kontrollen w\u00fcrden Informationslecks beg\u00fcnstigen. Personal und Ressourcen seien bei Ratingbewertungen &#8222;nicht aufgabenad\u00e4quat eingesetzt worden&#8220;. Die Beh\u00f6rde verlangt, dass von ihr verordnete Auflagen nun bis Ende Januar umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Aber auch innerhalb der Branche wird der Konkurrenzdruck st\u00e4rker. An diesem Donnerstag stellt sich in London die Gruppe ARC-Ratings vor, ein Zusammenschluss mehrerer Agenturen aus Indien, S\u00fcdafrika, Malaysia, Brasilien und Portugal. Sie bekunden von Anfang an den Anspruch, global aufzutreten, und positionieren sich als direkte Konkurrenten zu den &#8222;gro\u00dfen drei&#8220;.<\/p>\n<p>Etwas weniger ambitioniert war einst das Vorhaben, eine ureigene europ\u00e4ische Ratingagentur zu gr\u00fcnden. Auch Ex-S &amp; Pler Hinrichs brachte dem Plan Sympathie entgegen. Mehr Wettbewerb und ein anderer Ansatz (statt der Ratingkunden sollten die Investoren die Bonit\u00e4tsbewertung bezahlen) seien &#8222;erfrischend&#8220;, sagte er in einem Interview. Doch das Unternehmen scheiterte. Statt der f\u00fcr die Gr\u00fcndung n\u00f6tigen 300 Mill. Euro konnten nur 30 Mill. Euro eingeworben werden.<\/p>\n<p>Mehr Wettbewerb t\u00e4te der Branche gleichwohl gut. Immerhin vereinen S &amp; P, Moody&#8217;s und Fitch nach Daten der Esma einen Marktanteil von 85 % auf sich. Branchenexperten kritisieren zudem inhaltliche Unstimmigkeiten. Der Schweizer \u00d6konom Manfred G\u00e4rtner von der Universit\u00e4t St. Gallen etwa stellte vor einiger Zeit eine gewisse &#8222;Beliebigkeit&#8220; der Staatenratings fest und monierte ungerechtfertigte Bonit\u00e4tsherabstufungen, welche die Schuldenkrise in Europa erst noch vertieft h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Und die Heidelberger \u00d6konomen Andreas Fuchs und Kai Gehring haben in einer neuen Studie nun sogar einen &#8222;Home Bias&#8220; ausgemacht. Die gro\u00dfen Ratingagenturen w\u00fcrden mit ihren Heimatl\u00e4ndern &#8211; wohl auch auf Regierungsdruck hin &#8211; und bisweilen in ihrem Sprachraum milder umgehen als mit anderen Staaten. Der Unterschied von fast einem Bonit\u00e4tspunkt l\u00e4sst sich wegen niedrigerer Zinslasten durchaus in Geld aufwiegen. Dabei betont etwa S &amp; P immer wieder seine Internationalit\u00e4t. Schlie\u00dflich verf\u00fcge man allein in Frankfurt \u00fcber ein Team von \u00fcber 50 deutschsprachigen Analysten, betonte Hinrichs einst stolz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ratingagenturen stehen unter gro\u00dfem Regulierungsdruck. Br\u00fcssel hat bereits neue Regeln verordnet. Ende 2013 warf die Europ\u00e4ische Wertpapieraufsicht Esma den Agenturen zudem schwere M\u00e4ngel bei der Arbeitsweise vor. 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