{"id":356,"date":"2019-01-06T12:27:43","date_gmt":"2019-01-06T11:27:43","guid":{"rendered":"http:\/\/vox-populi.info\/?p=356"},"modified":"2019-01-06T12:27:48","modified_gmt":"2019-01-06T11:27:48","slug":"ende-der-alten-ordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vox-populi.info\/?p=356","title":{"rendered":"Ende der alten Ordnung"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Stephan Lorz, Frankfurt<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die sozialen Medien und die Globalisierungsdebatte &#8211; Twitter, Facebook &amp; Co. geben den Ton an<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wenn das Gef\u00fchl stark ist, kommst du mit Fakten\nnicht mehr durch&#8220;, bemerkte einst der Psychoanalytiker und Philosoph\nHorst-Eberhard Richter. Nirgends l\u00e4sst sich das besser beobachten als in den\nsozialen Medien, wo Twitter seinen Nutzern auf 280 Zeichen (vorher 140) allenfalls\nkurze Meinungs\u00e4u\u00dferungen erlaubt. Differenzierung und das Abw\u00e4gen von Fakten\nsind unm\u00f6glich. Mit &#8222;Hashtags&#8220; werden Beitr\u00e4ge zudem geb\u00fcndelt und\nzugeordnet, womit sich schnell ein Spin in Debatten bringen l\u00e4sst. Zugleich\nspielen automatisch generierte Meinungsmaschinen, &#8222;Social Bots&#8220;, eine\n\u00d6ffentlichkeit vor, die es nicht gibt. Lange Zeit wurde die politische Macht\nder sozialen Medien verkannt. Erst mit der Brexit-Abstimmung und der Wahl\nDonald Trumps zum US-Pr\u00e4sidenten richtete sich der Fokus auf sie, da Propaganda\nund Manipulationen beide Male eine gro\u00dfe Rolle spielten.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">\"Contra TTIP\" erfolgreich<\/pre>\n\n\n\n<p>Auch die Freihandelsdebatte ist durch Twitter &amp; Co.\nentscheidend beeinflusst worden, wie das Europ\u00e4ische Journalismus Observatorium\n(EJO) in Dortmund zeigt. Gleich zu Beginn der Verhandlungen zum\ntransatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) drehten NGOs wie Attac, WikiLeaks,\nGreenpeace, Lobbycontrol und Campact die Debatte &#8222;contra TTIP&#8220;. Das\nEJO spricht von &#8222;affektiven Nachrichtenstr\u00f6men&#8220; und von\nkollaborativen, unkoordinierten Prozessen. Die Medienwirksamkeit ist enorm\nangesichts dessen, dass allein Twitter w\u00f6chentlich etwa 1,8 Millionen aktive\nNutzer in Deutschland aufweist (Facebook: 20,5, Instagram 5,6 Millionen).<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgewogene Inhalte in der Freihandelsdebatte, kritisiert\ndas EJO, seien geradezu marginalisiert worden und gegen die \u00dcbermacht der\nAntistimmung nicht angekommen. Und da viele Journalisten auf Twitter aktiv\nsind, hatte dies auch R\u00fcckwirkungen auf die Tonlage in der klassischen\nBerichterstattung &#8211; ein Multiplikatoreffekt par excellence.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Digitale \u00d6ffentlichkeit<\/pre>\n\n\n\n<p>Wie sehr die sozialen Medien bisweilen die Meinungsmacht\n\u00fcbernehmen, zeigten zuletzt auch die Proteste der &#8222;Gelbwesten&#8220; in\nFrankreich &#8211; ein Aufstand ohne F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit, allein geleitet durch\nKoordination und Verst\u00e4rkungseffekte \u00fcber die sozialen Medien.<\/p>\n\n\n\n<p>Schnell kann sich in den klaustrophoben Filterblasen im\nNetz eine Wut zu allerlei Themen aufbauen. Dort befindet man sich unter\nSeinesgleichen, best\u00e4tigt sich gegenseitig, stachelt sich auf, kapselt sich ab\nvon &#8222;st\u00f6renden&#8220; Informationen. Digitalpublizist Sascha Lobo spricht\nvom Medien-Nihilismus: nichts glauben, nichts sehen, die Verneinung von\nErkenntnism\u00f6glichkeit, die Unterstellung, alles sei manipuliert. In einem\nsolchen Klima des Misstrauens ist der klassische \u00f6ffentliche Diskurs unm\u00f6glich,\nk\u00f6nnen Minderheiten den Ton angeben und demokratische Entscheidungen kippen.<\/p>\n\n\n\n<p>An wen k\u00f6nnen sich Politik und Wirtschaft denn noch\nwenden, wenn ihre Glaubw\u00fcrdigkeit von vornherein angezweifelt wird und Fakten\nnicht mehr anerkannt werden? Wie lassen sich gr\u00f6\u00dfere politische Projekte\n\u00fcberhaupt noch durchsetzen, wenn &#8222;Wutb\u00fcrger&#8220; \u00fcber soziale Medien die\nWahrnehmung des ganzen Meinungsspektrums verzerren? Das, was man einmal\n&#8222;\u00d6ffentlichkeit&#8220; genannt hat, braucht ein Update. Politik, Wirtschaft\nund Gesellschaft m\u00fcssen den Diskurs neu aufsetzen, etwa auch dadurch, dass man\nSocial Bots als solche kennzeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Stephan Lorz, Frankfurt Die sozialen Medien und die Globalisierungsdebatte &#8211; Twitter, Facebook &amp; Co. geben den Ton an &#8222;Wenn das Gef\u00fchl stark ist, kommst du mit Fakten nicht mehr durch&#8220;, bemerkte einst der Psychoanalytiker und Philosoph Horst-Eberhard Richter. 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