{"id":313,"date":"2016-12-07T11:27:12","date_gmt":"2016-12-07T10:27:12","guid":{"rendered":"http:\/\/vox-populi.info\/?p=313"},"modified":"2016-12-07T11:27:12","modified_gmt":"2016-12-07T10:27:12","slug":"wasser-auf-die-muehlen-des-anti-amerikanismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vox-populi.info\/?p=313","title":{"rendered":"Wasser auf die M\u00fchlen des Anti-Amerikanismus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>US-Beh\u00f6rden setzen Recht auf deutschem Boden durch &#8211; Sorge vor \u00f6konomischen Folgewirkungen<\/p><\/blockquote>\n<p>Von Stephan Lorz, Frankfurt<\/p>\n<p>Das deutsch-amerikanische Verh\u00e4ltnis ist schon l\u00e4nger angeknackst. Die Spionaget\u00e4tigkeiten des US-Geheimdienstes NSA in Deutschland, das Abh\u00f6ren des Telefons von Kanzlerin Angela Merkel und die Missachtung deutscher sowie europ\u00e4ischer Parlamentarier bei den Gespr\u00e4chen \u00fcber das transatlantische Handelsabkommen TTIP haben die beiden L\u00e4nder einander entfremdet. Von den fr\u00fcheren Wunden, die der Vietnam-Krieg, der Afghanistan-Krieg oder der zweimalige Einmarsch in den Irak geschlagen haben, ganz zu schweigen. Der schwelende Anti-Amerikanismus hierzulande gewinnt ohnehin immer mehr an Boden.<\/p>\n<p>Ein neuer Beleg geradezu hegemonialen US-Gebarens, wie ihn nun die FAZ und das TV-Magazin &#8222;Panorama&#8220; offengelegt haben, d\u00fcrfte diese Entwicklung noch beschleunigen und die westliche Welt weiter auseinandertreiben. Bislang konnten die USA noch einen Vertrauensvorschuss in Anspruch nehmen wegen ihrer demokratischen Verfasstheit und Rechtsstaatlichkeit sowie der gemeinsamen westlichen Wertebasis. FAZ und &#8222;Panorama&#8220; zeigen nun aber, dass US-Beh\u00f6rden nicht einmal mehr das Recht von Verb\u00fcndeten, Handelspartnern und Freunden achten, sondern sich dar\u00fcber hinwegsetzen und ihre eigene Rechtsauffassung auf dem Boden anderer souver\u00e4ner Staaten exekutieren, Wohlverhalten gar durch N\u00f6tigung und Sanktionsdrohung durchsetzen. Weil zwei Mitarbeiter deutscher Unternehmen im Iran-Handel aktiv waren, so schildert es die FAZ, wurden sie 2014 auf eine &#8222;Schwarze Liste&#8220; wegen &#8222;Terrorfinanzierung&#8220; und &#8222;Proliferation&#8220; gesetzt. Dabei waren die Gesch\u00e4fte nach hiesiger Rechtslage legal. Selbst die Tatsache, dass die Bundesbank nach eingehender Pr\u00fcfung gr\u00fcnes Licht gab, half nicht. Die Unternehmen, die Deutsche Forfait AG und die Commerzbank, trennten sich von ihren Mitarbeitern. Aber selbst danach war jenen dann kein normales Leben mehr beschieden, schreibt die FAZ. Ihr Verbleib auf der Liste der &#8222;Specially Designated Nationals&#8220; schloss die beiden etwa vom Erwerb eines iPhone aus oder verhinderte, dass Spediteure f\u00fcr sie beauftragt werden konnten. Die Firmen verweigerten ihre Dienste mit Hinweis auf die Liste.<\/p>\n<p>Das ist Wasser auf die M\u00fchlen des deutschen Anti-Amerikanismus. Die Gefahr ist gro\u00df, dass dadurch neben dem politischen Flurschaden im Zuge der nationalzentrierten US-Wirtschaftspolitik unter einem US-Pr\u00e4sidenten Trump nun auch die immens wichtigen Handelsbeziehungen leiden k\u00f6nnen. Deutsche Investitionen in den USA scheinen nicht mehr sicher. Zumindest hier h\u00e4tte TTIP also sch\u00fctzend gewirkt.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst werden die USA hierzulande nicht mehr als &#8222;Befreier&#8220; oder &#8222;freiheitliches Vorbild&#8220; angesehen, wie eine Umfrage des Instituts f\u00fcr Demoskopie Allensbach (siehe Grafik) ergeben hat. Nach wie vor gelten die USA aber, das zeigt eine Umfrage von TNS Infratest f\u00fcr die K\u00f6rber-Stiftung, als &#8222;wichtigster Partner f\u00fcr die deutsche Au\u00dfenpolitik&#8220; &#8211; fast gleichauf mit Frankreich. Russland folgt hier aber schon auf dem Fu\u00dfe.<\/p>\n<p>Je mehr die USA sich entfernen, desto mehr neigen die Deutschen wieder Russland zu. W\u00e4hrend die Emp\u00f6rung \u00fcber die USA im Zuge der Trump-Wahl und von TTIP besonders hohe Wogen geschlagen hatte, fehlt es an entsprechendem Verhalten hierzulande, wenn es um die Annektion der Krim geht, die Bombardierung Aleppos oder m\u00f6gliche Hacker- und Bot-Attacken aus den Tiefen des russischen Cyberspace. Manche US-Kritiker sehen im Verhalten Washingtons schon den Versuch, die Europ\u00e4er von den M\u00e4rkten im Nahen Osten und in Russland fernhalten zu wollen, weil man sie selbst aufrollen m\u00f6chte. Vorwurf: Wirtschaftsimperialismus.<\/p>\n<p>Ist die Freundschaft zwischen den USA und Deutschland wirklich so unverbr\u00fcchlich wie in Feierstunden gern dargestellt, w\u00e4re es an der Zeit, das offene Wort zu pflegen und Selbstkritik zu \u00fcben: Die Amerikaner m\u00fcssen \u00fcber ihre Wertvorstellungen und ihr politisches Handeln nachdenken, die Deutschen \u00fcber den schlummernden Anti-Amerikanismus, der vergessen macht, was sie den USA bis heute zu verdanken haben &#8211; politisch, \u00f6konomisch, weltanschaulich. Nicht nur Politiker, auch Vertreter der Wirtschaft sollten hier ihre mahnende Stimme erheben. Denn \u00f6konomisch steht viel auf dem Spiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>US-Beh\u00f6rden setzen Recht auf deutschem Boden durch &#8211; Sorge vor \u00f6konomischen Folgewirkungen Von Stephan Lorz, Frankfurt Das deutsch-amerikanische Verh\u00e4ltnis ist schon l\u00e4nger angeknackst. 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