{"id":234,"date":"2015-06-19T15:38:27","date_gmt":"2015-06-19T13:38:27","guid":{"rendered":"http:\/\/vox-populi.info\/?p=234"},"modified":"2015-06-20T20:16:51","modified_gmt":"2015-06-20T18:16:51","slug":"d-mark-drachme-bitcoins-ersatzwaehrungen-im-wartestand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vox-populi.info\/?p=234","title":{"rendered":"D-Mark, Drachme, Bitcoins:  Ersatzw\u00e4hrungen im Wartestand?"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Die deutsch-deutsche W\u00e4hrungsunion vor 25 Jahren hat es gezeigt: Gutes Geld verdr\u00e4ngt schlechtes. Doch wenn ein Land aus der W\u00e4hrungsunion f\u00e4llt, braucht es Notgeld. Im Kalten Krieg waren die Staaten diesbez\u00fcglich vorbereitet.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Deutsche-Banknoten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-239 size-large\" src=\"https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Deutsche-Banknoten-1024x525.jpg\" alt=\"Deutsche Banknoten\" width=\"980\" height=\"502\" srcset=\"https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Deutsche-Banknoten-1024x525.jpg 1024w, https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Deutsche-Banknoten-300x154.jpg 300w, https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Deutsche-Banknoten-690x354.jpg 690w, https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Deutsche-Banknoten-980x503.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 980px) 100vw, 980px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Stephan Lorz, Frankfurt<\/p>\n<p>In den Jahrzehnten des Kalten Krieges bis zur deutschen Einigung waren die Notenbanken des Westens und des Ostens auf das Schlimmste gefasst: Sollte der potenzielle Gegner die Wirtschaft durch die massenhafte Infiltration von Falschgeld schw\u00e4chen, gab es &#8222;Ersatzgeld&#8220;. Um die damit einhergehende Destabilisierung etwa der D-Mark zu stoppen, h\u00e4tte die Bundesbank n\u00e4mlich die laufende Banknotenserie f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt und neue Geldscheine aus einem Vorrat in Umlauf gebracht. Das Notgeld &#8211; 15 Mrd. D-Mark in kleinen Scheinen &#8211; wurde in einem Bunker unter einem Schulungszentrum der Bundesbank in Cochem gelagert. Der Geldbestand wurde alle drei Monate stichprobenartig kontrolliert. Au\u00dfer den Bundesbankpr\u00fcfern durfte niemand den Bunker betreten.<\/p>\n<p>Dass eine gewisse Vorsorge n\u00f6tig ist, war den Notenbankern aus der Geschichte bekannt. Schon der sowjetrussische Revolution\u00e4r Wladimir Iljitsch Lenin sagte: &#8222;Wer die Kapitalisten vernichten will, muss ihre W\u00e4hrung zerst\u00f6ren.&#8220; Und da die D-Mark im Laufe der f\u00fcnfziger Jahre bis hin zur Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion der ganze Stolz der westdeutschen Nation war, galt sie als potenzielles Angriffsziel geheimdienstlicher Aktionen. Zumal man wusste, dass auch das Hitler-Regime im &#8222;Dritten Reich&#8220; in gro\u00dfem Stil Pfund-Noten gef\u00e4lscht und in Umlauf gebracht hatte.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr den Fall einer neuen Hyperinflation schien eine Ersatzw\u00e4hrung die richtige Vorsorge zu sein. Die Deutschen hatten diesbez\u00fcglich ja ihre eigenen Erfahrungen gesammelt und das schier unvorstellbare Leid vor Augen, was sich letztendlich in ihr kollektives Ged\u00e4chtnis eingebrannt und zu einer ausgepr\u00e4gten Stabilit\u00e4tskultur im Hinblick auf die W\u00e4hrungspolitik gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte die damalige DDR ebenfalls vorgesorgt und sogenanntes &#8222;Milit\u00e4rgeld&#8220; als Ersatzw\u00e4hrung vorr\u00e4tig: Alte Scheine wurden &#8211; neu gestempelt und \u00fcberdruckt &#8211; in mehreren Depots in Grenzn\u00e4he sowie in Ost-Berlin untergebracht. Offiziell &#8222;zur Verteidigung der W\u00e4hrung&#8220;, aber zugleich auch, um sie &#8222;in eroberten Gebieten zu verwenden&#8220;, wie es laut Bundesbank-Historiker Reinhold Walburg in manchen Dokumenten unverhohlen hei\u00dft.<\/p>\n<p>Mit der deutsch-deutschen W\u00e4hrungsunion, die vor bald 25 Jahren am 1. Juli 1990 vollzogen wurde, waren die deutsch-deutschen Ersatzw\u00e4hrungen dann Geschichte. Die Lastwagen der Bundesbank brachten 440 Millionen D-Mark-Scheine in die damals noch existierende DDR. M\u00fcnzen waren Mangelware, weshalb die im Westen eher weniger genutzten &#8222;F\u00fcnfer&#8220; als Scheine verst\u00e4rkt in Umlauf kamen.<\/p>\n<p>Schon damals hatte man angesichts der steigenden Menge an Banknoten Zweifel, dass die n\u00f6tige Anzahl f\u00fcr eine Ersatzw\u00e4hrung \u00fcberhaupt herzustellen w\u00e4re. Deshalb wurde das Konzept aufgegeben. Man setzte bei der n\u00e4chsten D-Mark-Serie stattdessen auf eine immer h\u00f6here F\u00e4lschungssicherheit durch immer neue technische Kniffe.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr den Euro gibt es offiziell keine Ersatzw\u00e4hrung f\u00fcr den Krisenfall. Die Ausgabe neuer, noch f\u00e4lschungssicherer Noten soll das \u00fcberfl\u00fcssig machen. Doch im Falle eines Auseinanderbrechens der W\u00e4hrungsunion oder im Falle des Exits eines Landes, wie er aktuell mit Griechenland droht, w\u00e4re man wohl froh, wenn es bereits gedrucktes Notgeld g\u00e4be, das man schnell ersatzweise ausgeben k\u00f6nnte. Vielleicht haben andere Staaten und &#8211; konkret &#8211; Athen diesbez\u00fcglich bereits vorgesorgt. Entsprechende Druckplatten d\u00fcrfte wohl jede Notenbank im Tresor haben. Hilfsweise m\u00fcssten existierende Euro-Scheine einfach \u00fcberstempelt werden, was eine Wertvernichtung darstellen w\u00fcrde, oder alte noch nicht zerst\u00f6rte Drachmen-Noten w\u00fcrden neu ausgegeben.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re \u00fcberfl\u00fcssig, wenn das digitale Geld schon allumfassend eingesetzt und nutzbar w\u00e4re. Bislang mangelt es hier noch an der entsprechenden Ausstattung der B\u00fcrger und der Kassen, um via Handy oder Chip den Zahlungsvorgang durchzuf\u00fchren. Dann gen\u00fcgte schon ein Update der Bankensoftware, um &#8211; \u00e4hnlich wie auf den Umstellungskonten der DDR-B\u00fcrger &#8211; den Euro in die Drachme umzum\u00fcnzen. Die k\u00f6nnte dann sofort im Zahlungsverkehr eingesetzt werden. F\u00fcr den unbaren Zahlungsverkehr w\u00e4re das schon heute kein Problem, aber bei der Barzahlung hapert es eben an entsprechenden physischen Noten.<\/p>\n<p>Doch ob diese Entwicklung tats\u00e4chlich so positiv f\u00fcr die B\u00fcrger ist, wie es derzeit so manche \u00d6konomen hinstellen, ist fraglich. Abgesehen davon, dass damit auch der Freiraum der B\u00fcrger beschnitten wird, sie von staatlichen Stellen auf Schritt und Tritt erfasst und analysiert werden k\u00f6nnten, w\u00fcrde auch das Vertrauen in die W\u00e4hrung untergraben, wenn das Volk etwa stabilit\u00e4tsgef\u00e4hrdendem Wirken der Notenbanken nicht mehr entrinnen k\u00f6nnte. Negativzinsen k\u00f6nnten per Tastendruck allumfassend durchgesetzt werden. Wenn das um sich greift, bliebe nur noch die Flucht in eine tats\u00e4chlich staatsfreie W\u00e4hrung: Bitcoins. Je mehr Notenbanken staatliche Gef\u00e4lligkeitspolitik betreiben und durch unkonventionelle Instrumente langfristig die Preisstabilit\u00e4t untergraben, desto eher k\u00f6nnten Bitcoins zu einer echten Alternative und zu einer wahren Ersatzw\u00e4hrung heranreifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsch-deutsche W\u00e4hrungsunion vor 25 Jahren hat es gezeigt: Gutes Geld verdr\u00e4ngt schlechtes. Doch wenn ein Land aus der W\u00e4hrungsunion f\u00e4llt, braucht es Notgeld. Im Kalten Krieg waren die Staaten diesbez\u00fcglich vorbereitet. 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