{"id":209,"date":"2015-05-15T16:31:09","date_gmt":"2015-05-15T14:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/vox-populi.info\/?p=209"},"modified":"2015-05-15T16:31:09","modified_gmt":"2015-05-15T14:31:09","slug":"an-der-investitionsschwaeche-beisst-sich-die-notenbank-die-zaehne-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vox-populi.info\/?p=209","title":{"rendered":"An der Investitionsschw\u00e4che bei\u00dft sich die Notenbank die Z\u00e4hne aus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Invesstitionsschwaeche.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-211\" src=\"https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Invesstitionsschwaeche-300x218.jpg\" alt=\"Invesstitionsschwaeche\" width=\"300\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Invesstitionsschwaeche-300x218.jpg 300w, https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Invesstitionsschwaeche-360x260.jpg 360w, https:\/\/vox-populi.info\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Invesstitionsschwaeche.jpg 525w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>F\u00fcr viele Finanzmarktbeobachter ist es ein gro\u00dfes Mysterium: Da sinken die Zinsen nahe an oder sogar unter die Nullgrenze, die Gewinne der Unternehmen sprudeln, ihre Finanzierungsspielr\u00e4ume wachsen, die Notenbank stimuliert Banken zudem mit diversen Aufkaufprogrammen sogar zu wieder etwas risikoreicheren Engagements in der Realwirtschaft \u2013 aber bei den Investitionen tut sich kaum etwas. Die Klage \u00fcber eine allgemeine Investitionsschw\u00e4che wird eher lauter, es ert\u00f6nt der Ruf nach dem Staat, der mit h\u00f6heren Ausgaben der Privatwirtschaft Impulse geben m\u00fcsse. Vor allem in Deutschland reiben sich viele die Augen, weil hier im Gegensatz zu manchen Euro-L\u00e4ndern das Wirtschaftswachstum seit Jahren robust ist \u2013 und trotzdem wird zu wenig investiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich hat die Investitionsbereitschaft der Unternehmen deutlich nachgelassen. Im Verh\u00e4ltnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt die nominale Investitionsquote noch bei knapp 20&lt;ET&gt;%. Um die Jahrtausendwende waren es 23&lt;ET&gt;%. Auch wenn im Ausland eine Investitionsschw\u00e4che ebenfalls nachweisbar ist, hat sie sich in Deutschland doch viel st\u00e4rker niedergeschlagen (siehe Grafik). Die Nettoanlageninvestitionen sind auf rund 2&lt;ET&gt;% zur\u00fcckgefallen \u2013 ein Niveau, auf dem der Erhalt des Kapitalstocks nicht mehr zu gew\u00e4hrleisten ist. Gerade vor dem Hintergrund des Wandels zur digitalen Wirtschaft ist diese Entwicklung noch viel dramatischer, als es die reinen Investitionsdaten veranschaulichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fast scheint es, als w\u00fcrden die bisherigen \u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge nicht mehr gelten. \u201eDie alten Geldmultiplikatoren passen nicht mehr\u201c, wundert sich etwa der Chefvolkswirt der Berenberg Bank Holger Schmieding auf einer Tagung des \u201eMonet\u00e4ren Workshops\u201c. Haushalte und Unternehmen trauten sich offenbar nicht, die au\u00dferordentlich guten Finanzierungsbedingungen zu nutzen, um in ein zweites Haus oder in neue Maschinen zu investieren. Hat sich die Makro\u00f6konomie der Notenbanker zu wenig um die Mikro\u00f6konomie in den Unternehmen gek\u00fcmmert? Ist die \u00f6konomische und politische Unsicherheit gar so gro\u00df, dass selbst niedrigste Zinsen zu keiner Investitionsidee verleiten? Oder fehlt es schlicht an solchen Ideen?<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Folgen der Finanzkrise?<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letzteres vermuten einige \u00d6konomen, die eine \u201es\u00e4kulare Stagnation\u201c der Volkswirtschaften vermuten, einen Zustand zu hoher Sparvolumina und strukturell zu geringer Investitionen, der das Wachstum langfristig zum Erliegen bringt. Doch es deutet vieles darauf hin, dass es sich bei der beobachteten Entwicklung \u201enur\u201c um eine Folgewirkung der j\u00fcngsten Finanzkrise und tiefen Rezession handelt. Die Stagnation sei das Resultat der Aufarbeitung fr\u00fcherer Exzesse, ist sich der Chefvolkswirt des Ver\u0007m\u00f6gensverwalters Flossbach von Storch, Thomas Mayer, sicher. Entscheidender Wachstumstreiber sei \u201eder Wille zum Investieren\u201c. Und der sei in der derzeitigen Situation, da die Staaten und der Privatsektor nach wie vor eine dramatisch hohe Verschuldung aufweisen, da der Regulator obendrein die Daumenschrauben f\u00fcr Banken immer weiter anzieht, um k\u00fcnftige Ausw\u00fcchse zu vermeiden, und da zus\u00e4tzlich politische Unsicherheiten um sich greifen, eben nicht gerade ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings stellt sich vor diesem Hintergrund auch die Frage, ob die Notenbank mit den Anleihek\u00e4ufen dann tats\u00e4chlich das richtige Instrumentarium angewandt hat, wie sie immer behauptet. Den EZB-\u00d6konomen muss die schwierige Investitionslage ja bewusst gewesen sein. Das wirft die Frage auf, ob mit den Anleihek\u00e4ufen \u2013 neben der W\u00e4hrungsabschw\u00e4chung \u2013 wom\u00f6glich eher ein Ziel au\u00dferhalb des Mandats angepeilt worden ist: die Entlastung der Staatsfinanzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob die j\u00fcngsten Finanzdaten der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB), wonach die Banken erstmals seit 2012 wieder mehr Kredite an den Privatsektor vergeben haben, bereits die Wende signalisieren, ist indessen fraglich. Die Entwicklung ist noch instabil. Jahre der Kreditversagung haben zudem ihre Spuren im Kapitalstock der Volkswirtschaften hinterlassen. Der Maschinenpark ist veraltet, was schon allein das Wachstum dr\u00fcckt. Deutsche Investoren weichen zudem lieber in andere L\u00e4nder aus, wo stabilere und renditetr\u00e4chtigere Bedingungen herrschen, wie die Transferbilanz nahelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl in Deutschland die Kreditbedingungen im Vergleich zu anderen Euro-Staaten geradezu paradiesisch anmuten, haben aber auch hier die Unternehmen oft Probleme, wie Ralf Brunkow, Treasurer bei der Braunschweiger Nordzucker AG, schildert. Banken w\u00fcrden zwar Kredit geben, aber oft nicht f\u00fcr l\u00e4ngere Laufzeiten \u2013 zumindest weit unterhalb der Investitionsperspektive. Auf dieser Basis sei es dann schwer, das Risiko der Investition abzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hat einen weiteren Investitionskiller in Deutschland ausgemacht: Realinvestitionen w\u00fcrden nach wie vor gegen\u00fcber Finanzinvestitionen steuerlich benachteiligt. Die erwartete Rendite m\u00fcsste hierzulande schon um etwa 1,5 Prozentpunkte h\u00f6her liegen als eine Kapitalmarktverzinsung mit \u00e4hnlichem Risikoprofil. Unternehmenspraktiker verweisen zudem darauf, dass die Niedrigzinspolitik auch negative Folgen f\u00fcr sie hat, etwa bei Pensionsr\u00fcckstellungen. Folge: Die Personalkosten steigen. K\u00f6nnen diese nicht auf den Preis der Produkte oder Dienstleistungen abgew\u00e4lzt werden, seien Investitionen auch bei niedrigen Kapitalkostenans\u00e4tzen immer weniger rentabel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wird nun die politische Verunsicherung durch die Ukraine-Krise und einen m\u00f6glichen Euro-Austritt Griechenlands (Grexit) als Verunsicherungsfaktor hinzugerechnet und nimmt man eine demografische Perspektive ein, werden die Probleme eher noch gr\u00f6\u00dfer. Deshalb braucht man sich \u00fcber die Investitionszur\u00fcckhaltung der Privatwirtschaft in Deutschland und vielen anderen Euro-L\u00e4ndern gar nicht wundern. Die KfW hat in ihrer Mittelstandsumfrage bereits die mannigfachen Facetten der demografischen Investitionsbelastungen (Facharbeitermangel, \u00e4ltere, weniger investitionsfreudige Unternehmenschefs, ungekl\u00e4rte Unternehmensnachfolge, schwaches Wachstum) benannt und die Politik zum Handeln aufgefordert.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Glaubw\u00fcrdigkeit der EZB<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die EZB muss nun feststellen, dass ihr immer fulminanter eingesetztes geldpolitisches Instrumentarium ohne eine abgestimmte Reaktion der Wirtschaftspolitik ins Leere l\u00e4uft, was wiederum die eigene Glaubw\u00fcrdigkeit aufs Spiel setzt, wovor der diesj\u00e4hrige Preistr\u00e4ger des \u201eMonet\u00e4ren Workshops\u201c, der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Ernst Baltensperger, schon l\u00e4nger warnt. Und auch so mancher \u00d6konom, der die EZB gern in eine st\u00e4rker wirtschaftspolitische Rolle man\u00f6vrieren m\u00f6chte und in den Notenbanken eine Art Clearinghouse der Volkswirtschaft sieht, muss sich wohl neu orientieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele Finanzmarktbeobachter ist es ein gro\u00dfes Mysterium: Da sinken die Zinsen nahe an oder sogar unter die Nullgrenze, die Gewinne der Unternehmen sprudeln, ihre Finanzierungsspielr\u00e4ume wachsen, die Notenbank stimuliert Banken zudem mit diversen Aufkaufprogrammen sogar zu wieder etwas risikoreicheren Engagements in der Realwirtschaft \u2013 aber bei den Investitionen tut sich kaum etwas. 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