{"id":195,"date":"2015-04-13T12:21:58","date_gmt":"2015-04-13T10:21:58","guid":{"rendered":"http:\/\/vox-populi.info\/?p=195"},"modified":"2015-04-13T12:21:58","modified_gmt":"2015-04-13T10:21:58","slug":"oekonomische-irrfahrten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vox-populi.info\/?p=195","title":{"rendered":"\u00d6konomische Irrfahrten"},"content":{"rendered":"<p>Austerit\u00e4t! schallt es in diesen Tagen vielstimmig daher, wenn es um die Sparauflagen f\u00fcr Griechenland geht. Zahlreiche meinungsstarke und oftmals tonangebende \u00d6konomen verunglimpfen die geforderte Haushaltskonsolidierung als &#8222;Spardiktat&#8220;. Sie richte &#8222;unfassbaren Schaden&#8220; an, hei\u00dft es. Deutschland, so der Nobelpreistr\u00e4ger Joseph E. Stiglitz, habe in der Europolitik versagt. Und sein Nobelkollege Paul Krugman r\u00e4t zu &#8222;intelligenteren Alternativen als Sparen&#8220;, meint damit aber schlicht mehr Staatsausgaben. Athen d\u00fcrfte sich im Widerstand gegen Br\u00fcssel und Berlin best\u00e4tigt f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Was aber treibt prominente \u00d6konomen zu derlei Parteinahme? Gewiss hat das Leiden der griechischen Bev\u00f6lkerung inzwischen ein Ma\u00df erreicht, das eine selbstkritische \u00dcberpr\u00fcfung der bisherigen Politik n\u00f6tig macht. Aber die von Athen verlangte Konsolidierung ist keinesfalls so einzigartig radikal wie behauptet. Andere L\u00e4nder hatten \u00e4hnliches durchstehen m\u00fcssen und haben gleichwohl zum Wachstum zur\u00fcckgefunden. Es ist ja nicht so, dass eine ganze Gesellschaft in die Knechtschaft getrieben, eine Volkswirtschaft kaputtgespart wird. Vielmehr lag und liegt es an Athen selber, die Konsolidierungslasten zu verteilen. Und dabei f\u00e4llt auf, dass erst jetzt damit begonnen wird, Superreiche und Steuerfl\u00fcchtlinge zur Finanzierung heranzuziehen. Naivit\u00e4t? Oder Absicht?<\/p>\n<p>In der Austerit\u00e4tsdebatte wird zudem schnell vergessen, dass Griechenland sich Ende 2009 in einer Lage befand, in der die Konsolidierung unausweichlich war angesichts eines Budgetdefizits von 15 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Selbst wenn man die Zinsaufwendungen von damals herausrechnet, waren es noch 10 %. Das fehlende Geld musste ja von irgendwoher kommen. Internationale Kapitalanleger verweigerten sich. Mit den Rettungsprogrammen konnten die erforderlichen Anpassungen zumindest hinausgez\u00f6gert werden, um sie sozial vertr\u00e4glicher zu gestalten. Zudem wird verkannt, dass von &#8222;Austerit\u00e4t&#8220; schlicht keine Rede sein kann: Erst 2014 wurde unter Herausrechnung des Schuldendienstes ein winziger Prim\u00e4r\u00fcberschuss erzielt. Ist es schon Austerit\u00e4t, wenn ein Land das Defizit nur verringert?<\/p>\n<p>Griechenland k\u00f6nnte ja den argentinischen Weg gehen, die Pleite erkl\u00e4ren und den Schuldendienst einstellen, wie von \u00d6konomen gefordert. Vom Kapitalmarkt w\u00e4re es dann aber auf lange Sicht abgeschnitten. Und auf ausl\u00e4ndische Hilfe k\u00f6nnte es nicht mehr hoffen. &#8222;Austerit\u00e4t&#8220; w\u00e4re dann auf einen Schlag n\u00f6tig &#8211; es sei denn, die n\u00f6tigen Ausgaben w\u00fcrden von den Steuerzahlern anderer L\u00e4nder finanziert. Schon die fr\u00fchere britische Premierministerin Margaret Thatcher hatte einst festgestellt: &#8222;Das Dumme am Sozialismus ist, dass einem immer das Geld der anderen ausgeht!&#8220;<\/p>\n<p>Was treibt \u00f6konomische Meinungsmacher dann dazu, eine notwendige Korrektur der griechischen Haushaltspolitik zu torpedieren? Wohl allein die Hoffnung, dass der Multiplikator der Staatsausgaben gr\u00f6\u00dfer als &#8222;1&#8220; ist und die Mehrausgaben sich damit \u00fcber h\u00f6here Investitionen und mehr Konsum &#8211; also st\u00e4rkeres Wachstum &#8211; mehr als bezahlt machen. Die Vergangenheit aber hat gezeigt, dass das nur unter besonderen Umst\u00e4nden m\u00f6glich ist. Es gilt nicht f\u00fcr ein Land, das einfach \u00fcber seine Verh\u00e4ltnisse gelebt hat. Was macht manche \u00d6konomen ferner so sicher, dass sich Wachstum bereits einstellt, ohne die Wirtschaft zun\u00e4chst auf mehr Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu trimmen? Und woher nehmen sie ihren Glauben, dass das Land die h\u00f6here Schuldenlast in besseren Zeiten tats\u00e4chlich zur\u00fcckzahlen wird? Griechenland hat zuletzt 1972 echte schwarze Zahlen geschrieben. Wie kann das Kalk\u00fcl also aufgehen? Ohne \u00e4u\u00dferen Druck von Seiten der Anleger und staatlichen Geldgebern ist da nichts zu machen. Also bringen die \u00d6konomen nun die Geldpolitik in Stellung. Die Europ\u00e4ische Zentralbank wird als Staatsfinancier missbraucht. Das sei &#8222;moderne Geldpolitik&#8220;, hei\u00dft es. Neue gewaltige Risiken tun sich damit aber auf.<\/p>\n<p>Manchen tonangebenden \u00d6konomen scheint eine gewisse Hybris zu eigen. Dabei haben sie schon bei der Finanzkrise versagt, als sie ihre Vorzeichen nicht sahen. Warum sollten sie jetzt besser liegen, da sie der Politik nun artig das argumentative R\u00fcstzeug f\u00fcr mehr Staatsausgaben liefern? Und wo endet diese Entwicklung, wenn man einer solchen Schulden\u00f6konomie fr\u00f6nt? Das Grundvertrauen in die W\u00e4hrung geht verloren, was eine neue Krise hervorrufen wird. Auch das d\u00fcrfte die \u00f6konomischen Meinungsmacher dann erneut kalt erwischen. Sie werden sich aber sofort wieder anbieten mit ihrer &#8222;Expertise&#8220; beim Aufbau einer neuen Geldordnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Austerit\u00e4t! schallt es in diesen Tagen vielstimmig daher, wenn es um die Sparauflagen f\u00fcr Griechenland geht. Zahlreiche meinungsstarke und oftmals tonangebende \u00d6konomen verunglimpfen die geforderte Haushaltskonsolidierung als &#8222;Spardiktat&#8220;. Sie richte &#8222;unfassbaren Schaden&#8220; an, hei\u00dft es. Deutschland, so der Nobelpreistr\u00e4ger Joseph E. Stiglitz, habe in der Europolitik versagt. Und sein Nobelkollege Paul Krugman r\u00e4t zu &#8222;intelligenteren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[31],"tags":[112,46,30,27,98],"class_list":["post-195","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kommentar","tag-athen","tag-griechenland","tag-oekonomie","tag-volkswirtschaft","tag-wirtschaftswissenschaft"],"aioseo_notices":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4f6gB-39","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/195","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=195"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/195\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":196,"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/195\/revisions\/196"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=195"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=195"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vox-populi.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=195"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}