{"id":136,"date":"2014-06-30T16:09:44","date_gmt":"2014-06-30T14:09:44","guid":{"rendered":"http:\/\/vox-populi.info\/?p=136"},"modified":"2014-06-30T16:09:44","modified_gmt":"2014-06-30T14:09:44","slug":"von-der-wahrnehmungsverzerrung-im-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vox-populi.info\/?p=136","title":{"rendered":"Von der Wahrnehmungsverzerrung im Internet"},"content":{"rendered":"<p>Amazon, so eine Nachricht aus Gro\u00dfbritannien, verlangt von Verlagen auf der Insel neuerdings eine pauschale Nachdruckerlaubnis, wenn B\u00fccher nicht mehr lieferbar oder nicht mehr im Auslieferungslager verf\u00fcgbar sind. Das Echo in der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber diese Vermessenheit ist eher d\u00fcnn, obwohl die Attacke noch zu dem Skandal \u00fcber bewusste Lieferverz\u00f6gerungen Amazons gegen\u00fcber Verlagen hinzukommt. Einige H\u00e4user werden offenbar sanktioniert, weil sie nicht gleich auf die Amazon-Wunschliste eingehen im Hinblick auf Rabatte und die Einr\u00e4umung spezieller Rechte weit \u00fcber das \u00fcbliche Ma\u00df hinaus. Amazon nutzt hier seine gigantische Marktmacht offen aus.<\/p>\n<p>Auch der \u00f6ffentliche Aufschrei gegen\u00fcber anderen Zumutungen, mit denen Amazon, Facebook, Apple, Google &#038; Co. die Realwirtschaft herausfordern, ist eher verhalten. Das gilt auch f\u00fcr ihr Verhalten gegen\u00fcber ihren eigenen Nutzern, wenn sie ihnen etwa bei einem Upate bis auf Bibell\u00e4nge ausgewalzte neue Nutzungsbestimmungen vorlegen, die sie gef\u00e4lligst zu akzeptieren haben. Damit r\u00e4umen sich die Internetkonzerne ganz nebenbei \u2013 im Kleingedruckten und via kryptische Formulierungen \u2013 von ihren Nutzern weitreichende inhaltliche Rechte ein, die weit \u00fcber das hinausgehen, was einzelne nationale Gesetzesbestimmungen in der Realwirtschaft zulassen w\u00fcrden und was man selbst Freunden zugestehen w\u00fcrde. Das geschieht vielfach \u00fcber \u201ekleine\u201c \u00c4nderungen der kaum mehr \u00fcberschau- und erfassbaren juristischen Texte, die jeder noch so kleinen \u00c4nderung am Programm vorgeschaltet werden \u2013 teils sogar nur in englischer Sprache. Ein Klick auf den Akzeptiere-Button \u2013 und die Rechte sind vergeben. Die Nutzer haben kapituliert, die Konzerne triumphieren. Die Taktik des Vertuschens, Vernebelns und verquasten Formulierens ist aufgegangen.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten \u00f6ffentlichen Reaktionen auf die Entwicklerkonferenzen der gro\u00dfen Digitalkonzerne \u2013 Build von Microsoft, WWDC von Apple und j\u00fcngst I\/O von Google \u2013 waren ebenfalls recht unkritisch, was die dort nonchalant ausgebreiteten Pl\u00e4ne zur Ausweitung der Konzernmacht auf die Nutzer angeht. Dabei geht es letztlich um die Aneignung ganzer Leben. Stattdessen wurde euphorisch \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der neuen Techniken schwadroniert. Jede noch so winzige \u201eVerbesserung\u201c bei Apps, Betriebssystemen und Ger\u00e4ten wurde bejubelt und einer gottesdienstartigen Verehrung gleich von &#8222;Medien-Missionaren&#8220; den technologischen Heiden verk\u00fcndet. Die Konzerne selbst gelten in deren Augen in gewisser Weise f\u00fcr sakrosankt.<\/p>\n<p>Selbst Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) r\u00e4umte im Interview mit der FAZ zuletzt eine gewisse Bei\u00dfhemmung ein. W\u00fcrde ein Energieunternehmen wie Google 95 Prozent des Marktes abdecken, \u201ew\u00e4ren die Kartellbeh\u00f6rden aber ganz schnell auf dem Plan\u201c, sagte er und sieht sich selber als \u201eTeil des Problems\u201c, weil er t\u00e4glich die googlesche Suchmaschine mit Fragen f\u00fcttert.<\/p>\n<p>Wie viel sich die Nutzergemeinde inzwischen gefallen l\u00e4sst, ohne auch nur zu murren, zeigt ein Vergleich mit der Realwirtschaft: W\u00e4re es etwa vorstellbar, dass ein Autoh\u00e4ndler so einfach das Modell eines \u00e4lteren \u2013 nicht mehr lieferbaren, weil durch eine neuere Version ersetzten \u2013 BMW einfach nachbaut? Amazon ma\u00dft sich das im Hinblick auf Verlage an. Oder, wie w\u00fcrden sich Verbraucher verhalten, wenn etwa die Hersteller von Fotoapparaten sich gleich auch die Rechte an den gemachten Bildern einr\u00e4umen? Das tun etwa Facebook und Google. L\u00e4ngst machen Verbraucherzentralen und Verbraucherministerien Jagd auf kryptische Vertr\u00e4ge im Handel, unzul\u00e4ngliche Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4che etwa in der Finanzindustrie, verlangen Transparenz und Vereinfachung, vor allem aber Verst\u00e4ndlichkeit und Offenheit beim Umgang mit Kunden. Bei der Digitalindustrie aber stehen sie eher abseits und f\u00fchlen sich irgendwie nicht zust\u00e4ndig. Es wird Zeit, dass sich die Gewichte diesbez\u00fcglich verschieben. Die Digitalindustrie unterliegt schlie\u00dflich den gleichen Rechten und Pflichten wie jeder anderer Akteur auf dem Markt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amazon, so eine Nachricht aus Gro\u00dfbritannien, verlangt von Verlagen auf der Insel neuerdings eine pauschale Nachdruckerlaubnis, wenn B\u00fccher nicht mehr lieferbar oder nicht mehr im Auslieferungslager verf\u00fcgbar sind. Das Echo in der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber diese Vermessenheit ist eher d\u00fcnn, obwohl die Attacke noch zu dem Skandal \u00fcber bewusste Lieferverz\u00f6gerungen Amazons gegen\u00fcber Verlagen hinzukommt. 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