{"id":133,"date":"2014-06-06T16:19:29","date_gmt":"2014-06-06T14:19:29","guid":{"rendered":"http:\/\/vox-populi.info\/?p=133"},"modified":"2014-06-06T16:19:29","modified_gmt":"2014-06-06T14:19:29","slug":"die-feigheit-der-ezb-vor-der-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vox-populi.info\/?p=133","title":{"rendered":"Die Feigheit der EZB vor der Politik"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die einen ist es hohe Kunst, f\u00fcr die anderen Hexenwerk: Gleich mit einer ganzen Phalanx an geldpolitischen Ma\u00dfnahmen geht die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) gegen die im Eurogebiet aufgekommenen deflation\u00e4ren Tendenzen sowie gegen die Kredit- und Wachstumsschw\u00e4che vor. Niedrigere Leitzinsen und ein negativer Einlagensatz sollen den Euro schw\u00e4chen und die Konjunktur st\u00e4rken, ein attraktiver, aber konditionierter Langfristtender die Kreditvergabe der Banken ankurbeln. Zudem wird der direkte Ankauf von Kreditpaketen (ABS) vorbereitet.<\/p>\n<p>Der weitgehend auf unerprobtem Gel\u00e4nde stattfindende geldpolitische Rundumschlag der EZB d\u00fcrfte in die Geschichtsb\u00fccher eingehen &#8211; falls das dahinterstehende Kalk\u00fcl aufgeht! Und daran bestehen begr\u00fcndete Zweifel. Der mickrige Zinsschritt l\u00f6st allenfalls einen Placeboeffekt aus, der Negativzins k\u00f6nnte sogar mehr schaden als n\u00fctzen, wenn deswegen die Bankgeb\u00fchren zulegen. Und der Markt f\u00fcr europ\u00e4ische ABS ist so klein, dass ein Ankauf von Papieren allenfalls symbolische Bedeutung hat. Die Wirkung auf die Realwirtschaft ist also eher begrenzt. Lediglich die Banken d\u00fcrfen sich ungeteilt freuen, erhalten sie doch erneut billiges Geld f\u00fcr lau. Dabei herrscht an Liquidit\u00e4t kein Mangel.<\/p>\n<p>Gleichzeitig begibt sich die EZB auf gef\u00e4hrliches Terrain: Denn die gebotene Kontrolle der Kreditkonditionen gebiert ein b\u00fcrokratisches Monster. Fehlentscheidungen werden nicht ausbleiben und an der Glaubw\u00fcrdigkeit der Notenbank nagen. Dabei ist diese das Zentrum ihrer Macht: Nur das Vertrauen der Marktteilnehmer und Eurob\u00fcrger in die Neutralit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit der Notenbank h\u00e4lt die Geldordnung stabil. Wenn nun aber die EZB \u00fcber die Kreditvergabe in die Realwirtschaft eingreift, durch ihre Geldpolitik viele Menschen um ihr Erspartes bringt, woran ganze Lebensentw\u00fcrfe zerbrechen, zudem neue Unsicherheiten aufkommen, wird das Misstrauen s\u00e4hen und ihre Instrumente abstumpfen lassen. Ganz abgesehen von dadurch heraufbeschworene Gefahren neuer Finanzblasen.<\/p>\n<p>Die EZB hat zugleich eine gigantische Umverteilungsmaschinerie in Gang gesetzt. Das Bankenwohl steht an erster Stelle &#8211; und der Politik wird ein Freifahrtschein ausgestellt. Sie kann nun alle Reformanstrengungen fahren lassen. Die Eurob\u00fcrger indes zahlen die Zeche. Es sind diese Rangordnung und die Feigheit der Notenbank, die Politik endlich durch geldpolitisches Stillhalten in die Verantwortung zu pressen, welche die gr\u00f6\u00dften Gefahren f\u00fcr die Eurozone darstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die einen ist es hohe Kunst, f\u00fcr die anderen Hexenwerk: Gleich mit einer ganzen Phalanx an geldpolitischen Ma\u00dfnahmen geht die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) gegen die im Eurogebiet aufgekommenen deflation\u00e4ren Tendenzen sowie gegen die Kredit- und Wachstumsschw\u00e4che vor. 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